Architektenrecht, Baurecht und Immobilienrecht

Nachdem der klassische Bauträgervertrag bereits im Artikel „Fallstricke beim Bauträgervertrag. Wichtige Hinweise für Bauträgerverträge“ ausführlich beleuchtet wurde, sollen hier Informationen über seine Varianten gegeben werden.

 

Das Erwerbermodell

Diese Variante des Bauträgermodells stammt aus dem gewerblichen Bereich. Damit sind vor allem Bauprojekte gemeint, die einer besonderen Zweckbindung unterliegen (z. B. Wohnanlagen zum „Betreuten Wohnen“). Hierfür müssen nicht nur der Bauträgervertrag, sondern zusätzlich noch weitere Verträge wie z. B. Generalmietverträge, Steuerberatungsverträge oder Betreiberverträge abgeschlossen werden. In den  meisten Fällen werden diese Vertragsabschlüsse durch Treuhänder abgewickelt, die auch die Aufgabe haben, die Mittelverwendung zu kontrollieren. Für diese Aufgabe ist nicht nur dessen Zuverlässigkeit maßgeblich, sondern auch seine Kompetenz, sich in juristisch schwierige Sachverhalte einzuarbeiten und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Deshalb muss der Treuhänder gem. Rechtsdienstleistungsgesetz ein Volljurist sein.

 

Das Modell der Generalübernehmer oder Generalunternehmer

Die Begriffe Generalübernehmer und Generalunternehmer werden im Artikel "Der Bauvertrag"erläutert.
Der beim klassischen Bauträgermodell aus einem Werk- und Kaufvertragsteil bestehende Gesamtvertrag wird hier üblicherweise in zwei separate Verträge aufgesplittet, die der Kunde mit zwei verschiedenen Vertragspartnern abschließt. Diese Vertragspartner sind jedoch wirtschaftlich stark miteinander verwoben. In dieser Konstellation müssen beide Verträge notariell beurkundet werden, weil das Zustandekommen des Werkvertrags vom Abschluss des Grundstückskaufvertrags vertraglich abhängig gemacht wird. Die Hoffnung, mit solch einem Vertragsmodell Grundsteuern zu sparen, wurde von den Finanzbehörden bereits enttäuscht: Aus ihrer Sicht ist das fertiggestellte Bauwerk der eigentliche Vertragsgegenstand.

 

Fonds- und Bauherrenmodelle

Diese Modelle sind vertraglich relativ kompliziert und werden in der Regel über eine Personengesellschaft wie der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder eine Kommanditgesellschaft (KG) abgewickelt. Dabei tritt der Käufer als Bauherr auf.

Diese Art des Bauträgermodells basiert auf drei Verträgen:

  • einem gemeinschaftlichen Gesellschaftervertrag,
  • einem Vertrag mit einem Baubetreuer; er vertritt die Interessen des Bauherrn gegenüber den Handwerksbetrieben,
  • einem Treuhandvertrag.

Bei einer Haftung steht in zahlreichen Fällen der Inhalt des Prospekts im Vordergrund (Prospekthaftung; siehe auch Text „Probleme mit dem Bauträger").

 

 

© 2017 abir.eu | Architektenrecht - Baurecht - Immobilienrecht